Rudolf Burger

Texte

Apologie der Erstarrung

März
2002

Die Gesichtspunkte der Eiszeit ermangelten nicht einer gewissen Größe. Der Mensch wurde nicht so sehr nach seiner Leistung geschätzt als vielmehr dem Vertrauen nach, das auf ihn (in ihm) gehäuft lag. Das ist kein unfreier Standpunkt. Das Gefühl der Freiheit wird gemeinhin weniger geschätzt als (…)

Nationaler Schulterschluss gegen die Erinnerung

Über Aktualität und politische Opportunität von Burgers Philosophie des Vergessens
Februar
2002

Also, ich bin sicherlich nicht derjenige, der ein Leben lang im Büßer­hemd durch die Welt geht. (...) Warum soll ich mich mit irgendwelchen Ver­gangenheitsproblemen belasten? (Jörg Haider, in: Der Spiegel 5/2000) Reden wir über Wiedergutmachung: Die betrifft nämlich nicht nur die in New York (…)

Rudolf Burger (Philosoph) bei Wikipedia

Rudolf Burger (* 8. Dezember 1938 in Wien; † 19. April 2021 ebenda) war ein österreichischer Philosoph.

Burger absolvierte ein Physik-Studium an der Technischen Universität Wien und war anschließend Assistent am Institut für angewandte Physik, wo er 1965 promovierte. Anschließend arbeitete er bis 1968 am Ludwig-Boltzmann-Institut für Festkörperphysik und wechselte dann ans Battelle-Institut nach Frankfurt/Main, wo er im Bereich der Forschungsplanung arbeitete. Ende der sechziger Jahre war Burger außerdem im Planungsstab des deutschen Wissenschaftsministeriums in Bonn tätig.

Von 1973 bis 1990 leitete Burger die Abteilung für sozial- und geisteswissenschaftliche Forschung im Wissenschaftsministerium in Wien. 1979 habilitierte sich Burger für Wissenschaftssoziologie. 1987 kam er als Professor an die Universität für angewandte Kunst Wien („Die Angewandte“), wo er 1991 Vorstand der Lehrkanzel für Philosophie wurde. Von 1995 bis 1999 war Burger Rektor der „Angewandten“. Mit Ende Sommersemester 2007 wurde er emeritiert.

Burger, der aus einem kommunistischen Elternhaus stammte und sich selbst als „materialistischen Skeptiker“ und „agnostischen Marxisten“[1] bezeichnete, war ein Intellektueller, der mehrmals mit Schriften zur politischen Situation landesweite Kontroversen auslöste. So etwa im Jahr 2000, als er in der Zeitschrift Merkur den Protest gegen die schwarz-blaue Koalition kritisierte und als „antifaschistischen Karneval“ bezeichnete; oder 2001, als er den Essay Die Irrtümer der Gedenkpolitik. Ein Plädoyer für das Vergessen in der Kulturzeitschrift Europäische Rundschau veröffentlichte.[2][3] 1992 publizierte er im Wiener Nachrichtenmagazin profil einen Beitrag, in welchem er gegen die „kriegsgeile“ Haltung der österreichischen Außenpolitik im Balkankonflikt Stellung bezog. In seinem Buch „Wozu Geschichte?“ formulierte er einen, seine Skepsis was die richtige Interpretation der Geschichte sei, für sein Wirken typischen Satz „Ich habe nicht vor, Sie von irgendetwas zu überzeugen, sondern ganz im Gegenteil, Überzeugungen, von denen ich vermute, dass Sie sie haben, ein wenig ins Wanken zu bringen. Sollten Sie nach der Lektüre weniger zu wissen glauben als vorher, so wäre ich zufrieden.“[4]

Er starb im April 2021 im Alter von 82 Jahren.[1][5] Er wurde am Hernalser Friedhof bestattet.[6] Doris Knecht schrieb über Burger: „Er war ein hochgewachsener, zeitlebens gutaussehender Mann, der mit Leidenschaft unpopuläre Theorien vertrat und viel und elegant rauchte.“[7]

Auszeichnungen (Auswahl)

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  • 2000: Österreichischer Staatspreis für Kulturpublizistik

Einzelnachweise

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  1. ↑ a b Thomas Kramar: Rudolf Burger, der (Anti-)Philosoph gegen jede Heuchelei. In: DiePresse.com. 20. April 2021, abgerufen am 20. April 2021. 
  2. ↑ Europäische Rundschau, Heft 2001/2, S. 3–13: [1]. Das folgende Heft 2001/3, S. 3–70, brachte dazu mehrere kontroversielle Stellungnahmen unter dem Sammeltitel Verdrängen? Vergessen? Erinnern? Eine Diskussion.[2] (abgerufen am 8. November 2023)
  3. ↑ 2021 erschien in FORVM online eine ausführliche Differenzialanalyse des Herausgebers Gerhard Oberschlick [3] (abgerufen am 8. November 2023)
  4. ↑ bei Haller G. in Die Presse 21.9.2018 [4] (abgerufen am 2. Oktober 2026)
  5. ↑ Ronald Pohl: Abwehr der Barbarei durch Eleganz: Philosoph Rudolf Burger gestorben. In: derStandard.at. 20. April 2021, abgerufen am 20. April 2021. 
  6. ↑ Grabstelle Rudolf Burger
  7. ↑ D. Knecht: Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe. Roman. München 2023. S. 9.
  8. ↑ Der Paul-Watzlawick-Ehrenpreis 2021 geht an Prof. Dr. Rudolf Burger. In: watzlawickehrenring.at. Abgerufen am 17. April 2021.