Stephan Grigat

Texte

Titelbild des Buches „Feindaufklärung und Reeducation“ kriminalisiert

Mai
2006

Am 27. Mai 2006 beschlagnahmte die Polizei in Mittenwald (Landkreis Garmisch-Partenkirchen, Bayern) ca. 150 DIN-A6 Flyer, auf denen das Cover des Buches „Feindaufklärung und Reeducation - Kritische Theorie gegen Postnazismus und Islamismus“ (erschienen im ça ira-Verlag, Freiburg, 2006) (…)

Texte von Stephan Grigat

Ein Antisemitismusforscher auf Abwegen

November
2010

Wolfgang Benz, der scheidende Direktor des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung, hat schon so einiges in seinem Leben zustande gebracht. Er hat eine ganze Karriere darauf aufgebaut, den Antisemitismus als Vorurteil zu verharmlosen und dadurch mit allen möglichen anderen Vorurteilen (…)

Das „System Haider“ und der Antisemitismus

August
2010

Stefan Petzner machte sich Ende Juli Gedanken über die globale Krise: „Wer ist im Hintergrund so mancher großen Bank? Das verspekulierte Geld ist ja nicht weg, es hat nur jemand anderes. Nämlich Banker und Spekulanten an der Wall Street. Wenn man dann noch forscht, woher Goldmans und Lehmans so (…)

Renovierung des Postnazismus

Mai
2009

Österreich im Frühjahr 2009: In Serfaus, einem Urlaubsort in den Tiroler Bergen, verweigert eine Hotelbetreiberin einer jüdischen Familie ein freies Zimmer, da sie „schlechte Erfahrungen“ mit Juden gemacht habe. Bei einem Besuch der Gedenkstätte Auschwitz fallen Wiener Schüler durch (…)

Israel als Jude unter den Staaten

Januar
2009

Der Antisemitismus versetzt Juden in eine ausweglose Situation. Dem reichen Juden wird sein Erfolg angekreidet, der arme als Schnorrer verachtet. Der Assimilant erscheint als heimtückischer Zersetzer des Volkskörpers, der Traditionsbewusste als anpassungsunfähiger Sonderling. Der sexuell Aktive (…)

„Projektion“ – „Überidentifikation“ – „Philozionismus“

Der Vorwurf des Philosemitismus an die antideutsche Linke
September
2008

Die so genannten Antideutschen geistern seit gut 15 Jahren durch die bundesrepublikanische politische Diskussion. Ihre Geschichte beginnt Ende der achtziger Jahre, als sich Angehörige der radikalen Linken auf Jean Améry besannen, der seit dem Sechs-Tage-Krieg 1967 immer wieder betont hat, dass (…)

Französische Avantgardisten und der Zionismus

Die Situationisten über Israel
April
2006

Erinnert man heute an die 68er-Bewegung, kommt die Sprache schnell auf die Ereignisse des Pariser Mai, in dem die französischen Studenten und Arbeiter das Land an den Rand einer revolutionären Situation brachten. Wenig bekannt ist hingegen, wer die geistigen Wegbereiter dieser Ereignisse waren. (…)

Der Haß der Antiglobalisierungsbewegung auf Israel

Eine Kritik der No-Globals und ihrer Kritiker
Mai
2003

Das Konzept des SPOG-Kongresses vermittelte von Anfang an den Eindruck, als wolle man sich einmal treffen, um über dieses und jenes zu reden, um nachher in etwa so weiterzumachen wie bisher. Anfänglich waren Israel und die antisemitischen Ausfälle der Palästinasolidarität als Themen gar nicht (…)

Transformation der postnazistischen Demokratie

Postfaschismus als Begriff der Kritik
April
2003

Einleitung zu Stephan Grigat (Hg.): Transformation des Postnazismus. Der deutschösterreichische Weg zum demokratischen Faschismus. ça ira-Verlag, Freiburg 2003 Während in der Protestbewegung gegen die blau-braun-schwarze Bundesregierung in Österreich oder auch in der Staatsantifa der (…)

Der Fetisch im Spektakel

Guy Debord als Gesellschaftskritiker
Oktober
2000

Guy Debords Kunst- und Medienkritik kann nur vor dem Hintergrund seiner allgemeinen Kritik bürgerlicher Vergesellschaftung begriffen werden. Guy Debord und die Situationistische Internationale erfahren in den letzten Jahren auch im deutschsprachigen Raum vermehrte Aufmerksamkeit. Zum einen (…)

Adorno statt Protest

Juni
2000

Ein Plädoyer für radikale Kritik, kritischen Pessimismus und allgemeine Emanzipation I. In der derzeitigen Protestbewegung gegen die Regierungsbeteiligung der FPÖ, die sich selbst gerne als Widerstandsbewegung mißversteht, scheint sich alles zu wiederholen, was die Linke nach 1945 in den (…)

Kritik und Utopie

Gesellschaftskritik am Ende des 20. Jahrhunderts und der Marxsche Kommunismus
Oktober
1997

Utopische Gegenentwürfe zu den herrschenden Verhältnissen und Kritik an bestehenden Gesellschaftsordnungen sind aus allen Jahrhunderten bekannt, wobei Utopie und Kritik mal in unmittelbarem Zusammenhang standen, oft aber auch getrennt voneinander existierten. Von den griechischen Kynikern über (…)

Ökonomie der „Endlösung“?

Antisemitismustheorie zwischen Funktionalismus und Wertkritik
März
1997

Zu den meisten Kriegsverbrechen, Massakern und Schlächtereien in der Geschichte gibt es eindeutige Stellungnahmen. Ein Massaker im Rahmen eines kolonialen Krieges wird entweder mit dem Hinweis auf militärische oder politische Notwendigkeiten gerechtfertigt oder aus humanitären Gründen (…)

Stephan Grigat (Politikwissenschaftler) bei Wikipedia

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Stephan Grigat, 2018

Stephan Grigat (* 1971[1] in West-Berlin[2]) ist ein deutscher Politikwissenschaftler und Publizist. Er ist seit 2022 Professor für Theorien und Kritik des Antisemitismus an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen und leitet das Centrum für Antisemitismus- und Rassismusstudien [CARS] in Aachen und Köln. Seit 2022 ist er Research Fellow am London Centre for the Study of Contemporary Antisemitism und Institutsrat beim Tikvah Institut in Berlin.[3] 2026 wurde er in das Founding Advisory Council der Contemporary Antisemitism Studies Association (CASA) berufen.[4]

Grigat studierte 1991 bis 1997 Politikwissenschaft, Geschichte und Philosophie an der Freien Universität Berlin und der Universität Wien. Von 2000 bis 2003 war er Promotionsstipendiat der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin.[5] 2006 promovierte er über die Rezeption des Marxschen Fetischbegriffs und die Kritik des Antisemitismus[6] am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin bei Wolf-Dieter Narr und Eva Kreisky. Von 2004 bis 2006 lebte Grigat u. a. als Forschungsstipendiat in Tel Aviv.[5] Die Schwerpunkte seiner Forschung sind marxistische und Kritische Theorie, die Geschichte linker Bewegungen, Antisemitismus, der Nahostkonflikt und Iran.[5]

Von 2003 bis 2021 war er Lehrbeauftragter am Institut für Judaistik, am Institut für Politikwissenschaft und am Institut für Philosophie der Universität Wien sowie am Centrum für Jüdische Studien der Universität Graz. 2015/2016 war Grigat Gastprofessor für kritische Gesellschaftstheorie an der Justus-Liebig-Universität Gießen, 2016/2017 war er Gastprofessor für Israelstudien und 2017 bis 2022 Permanent Fellow am Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam/Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg, 2017/2018 war er Research & Teaching Fellow an der Hebräischen Universität Jerusalem. 2019 war er Dozent für Politikwissenschaft an der Universität der Bundeswehr München; von 2019 bis 2022 war er Dozent für Politikwissenschaft an der Universität Passau. 2017 bis 2025 war er Research Fellow am Herzl Institute for the Study of Zionism der University of Haifa. Seit März 2022 ist er Professor für Theorien und Kritik des Antisemitismus an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen und Leiter des Centrum für Antisemitismus- und Rassismusstudien [CARS] in Aachen und Köln.

Bis 2008 war er an Veranstaltungen und Aktivitäten der ideologiekritischen Gruppierung Café Critique beteiligt.[7][8][9] 2007 war er Mitbegründer der Kampagne Stop the Bomb, für die er bis 2021 als wissenschaftlicher Direktor in Österreich tätig war.[10][11] 2009 war er Mitbegründer von „Free Gaza From Hamas“, einem Bündnis aus antifaschistischen, gesellschaftskritischen und jüdischen Organisationen in Wien.

2025 wurde er als Sachverständiger in die Enquete-Kommission „Für gesellschaftlichen Zusammenhalt, gegen Antisemitismus, Rassismus, Muslimfeindlichkeit und jede Form der Diskriminierung“ des Berliner Abgeordnetenhauses berufen.

Grigat arbeitete als freier Publizist unter anderem für Jungle World und bis 2015 für Konkret. Er hat Gastbeiträge u. a. im Tagesspiegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Zeit, Frankfurter Rundschau, taz, Neue Zürcher Zeitung, Basler Zeitung, Der Standard, Die Presse, Salzburger Nachrichten und Wiener Zeitung veröffentlicht.

Im Zentrum von Grigats Interesse steht das Thema Antisemitismus und sein Verhältnis zur Tradition der Linken wie zum Islam. Philosophisch versteht sich Grigat in der Tradition von Marx und der Kritischen Theorie, die er im Gegensatz zum traditionellen Marxismus und zum linken Mainstream sieht.[12] Weitere wichtige Autoren sind für ihn Oscar Wilde,[13] Johannes Agnoli,[14] Moishe Postone[15] und Guy Debord.[16]

Kritik an der traditionellen Linken

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Als zentralen Kritikpunkt an der traditionellen Linken formuliert Grigat den Vorwurf des Antisemitismus, der sich bis zu den Frühsozialisten zurückverfolgen lasse.[17][18] Auch in den Frühschriften von Karl Marx und Briefen von Marx und Engels fänden sich Formulierungen und Argumentationen, die auf antisemitische Klischees zurückgriffen. Marx’ früherer Kritik am Kapitalismus habe noch jene Schärfe der Begriffe gefehlt, die in seiner späteren Kritik der politischen Ökonomie dem Ressentiment entgegenwirke.

In der europäischen Arbeiterbewegung sei der Antisemitismus immer wieder geleugnet, verharmlost oder in den schlimmsten Fällen – als konsequenter Antikapitalismus – offen propagiert worden. Als radikalste Form eines linken Antisemitismus können die stalinistischen Kampagnen gegen Zionismus und Kosmopolitismus gelten. Die von Lenin geführte Oktoberrevolution habe zwar den russischen Juden zunächst zahlreiche Vorteile im Vergleich zur Zarenzeit gebracht. Von Stalin sei aber bereits im Kampf um Lenins Nachfolge Antisemitismus als Mittel eingesetzt worden; später habe er sich von einem taktischen zu einem überzeugten Antisemiten gewandelt, der am Ende seines Lebens eine gewaltsame Umsiedlung der sowjetischen Juden in Erwägung zog. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe zwar die Sowjetunion für kurze Zeit das Projekt der israelischen Staatsgründung unterstützt. Spätestens Ende der vierziger Jahre wurde der Antizionismus jedoch zur offiziellen Staatsdoktrin.

In Westeuropa habe sich der Antisemitismus der Linken nach dem Zweiten Weltkrieg als Antizionismus nach dem Sechstagekrieg (1967) geäußert. Dieser habe bald auf große Teile der Linken übergegriffen und zeige sich am deutlichsten in der Bundesrepublik Deutschland – „von der linken Sozialdemokratie, den Grünen und Alternativen, feministischen Gruppierungen, K-Gruppen, Autonomen und Antiimperialisten bis zu den bewaffneten Gruppen“.[18]

Islamismus-Kritik

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Grigat kritisiert den Antisemitismus als essenziellen Bestandteil der islamistischen Ideologie. Die größte antisemitische Bedrohung stellt aus seiner Sicht derzeit das iranische Regime dar, für dessen Boykott er sich nachdrücklich einsetzt. Er ist Mitbegründer der Kampagne Stop the Bomb, die vor den atomaren Aufrüstungsplänen des Iran warnt sowie von deutschen und österreichischen Unternehmen fordert, ihre Geschäftsbeziehungen mit dem Staat einzustellen. In besonderer Weise wurde von ihm ab 2007 ein geplanter Milliardendeal der OMV mit dem Iran kritisiert, der aus seiner Sicht „Österreich zum langfristigen strategischen Partner des Mullahregimes in Teheran“ gemacht hätte.[19]

Herausgeberschaften

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Commons: Stephan Grigat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Grigat, Stephan | Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg. In: www.zentrum-juedische-studien.de. Abgerufen am 22. Juli 2016. 
  2. Israel-Studien am MMZ der Uni Potsdam: Aktivist wider Willen. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 9. Februar 2023]). 
  3. Tikvah Institut: Der Institutsrat
  4. CASA Faculty Bios
  5. a b c Seite am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien
  6. Fetisch und Freiheit. Über die Rezeption der Marxschen Fetischkritik, die Emanzipation von Staat und Kapital und die Kritik des Antisemitismus.
  7. Café Critique
  8. TAZ-Blog von Wolfgang Koch
  9. Home: Letter from Berlin: The anti-anti-Zionists. In: haaretz.com. 3. August 2007, abgerufen am 29. August 2017. 
  10. STOP THE BOMB begrüßt neue Iran-Sanktionen, Stop the Bomb Kampagne, 4. November 2018.
  11. Oberbank fördert die Ajatollahs, Stop the Bomb Kampagne, 7. September 2017.
  12. Vgl. z. B. Stephan Grigat: Befreite Gesellschaft und Israel. Zum Verhältnis von Kritischer Theorie und Israel, in: Stephan Grigat (Hrsg.): Feindaufklärung und Reeducation. Kritische Theorie gegen Postnazismus und Islamismus. Freiburg: ça ira-Verlag 2006, S. 115–129 (pdf; 85 kB).
  13. Stephan Grigat: facebook.com
  14. Stephan Grigat: Agnolis Kritik der Politik. Das Elend der Politikwissenschaft und der Staatsfetisch in der marxistischen Theorie.
  15. Stephan Grigat: Moishe Postones Interpretation der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie.
  16. Stephan Grigat: Der Fetisch im Spektakel. Zur Gesellschaftskritik Guy Debords. In: Jungle World, 20/2001.
  17. Zum Thema „Antisemitismus in der Linken“ vgl. z. B. Stephan Grigat: Befreite Gesellschaft und Israel. Zum Verhältnis von Kritischer Theorie und Israel, in: Stephan Grigat (Hrsg.): Feindaufklärung und Reeducation. Kritische Theorie gegen Postnazismus und Islamismus. Freiburg: ça ira-Verlag 2006, S. 115–129 (pdf; 85 kB).
  18. a b Stephan Grigat: Links und gegen Juden? Antisemitismus und Antizionismus in der österreichischen Linken. In: tribüne, heft 169, erstes quartal 2004
  19. Vgl. Stephan Grigat: Österreich als Türöffner für die Mullahs. In: Die Presse, 18. Dezember 2007.
  20. Inhaltsverzeichnis / Hilflos gegenüber realen Problemen – Rezension von Micha Brumlik