Heft 1-2/2006

Medieninhaber: Bureau N° 2 — Agentur für Kom­munikation und Information
Herausgeberin: LICRA-Österreich (Internationale Liga ge­gen Rassismus und Antisemitismus)
Redaktion: Kathi Renner (koordinierende Redakteurin, Lektorat), Katrin Auer, Nicole Burgermeister, Matthias Falter, Erik Fürst (Layout), Judith Götz (Abo-Verwaltung), Heide Hammer (Radio), Alexander Hasgall, Günter Hefler, Jens Kornacker (Internet, Radio), Lilo König, Eva Krivanec, Karin Lederer (Lektorat), Nicole Pe­ter, Alex Schärer, Heribert Schiedel, Alexander Schürmann-Emanuely (geschäftsführender Re­dakteur), Bea Schwager, Jutta Sommerbauer, Tho­mas Rammerstorfer, Birgitt Wagner
Titelgraphik: no*signal
Hersteller: Resch druck & grafik, 1150 Wien
Offenlegung: Der Medienin­haber ist zu 100% Eigentümer, von sonst nichts und sonst niemand; Leitungsorgan ist die Re­daktion; grundlegende Richtung: Kritik
Context XXI ist Mitglied der VAZ — Vereinigung alternativer Zeitungen und Zeitschriften

Kathi Renner

Liebe Leserin, lieber Leser!

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist gelaufen. Im Gegensatz etwa zur Europameisterschaft vor zwei Jahren (als Griechenland etwas unverdient den Titel holte), setzten sich diesmal die Favoriten durch. In der vorliegenden Ausgabe der Context XXI wollen wir zwar über Fußball schreiben, wir wollen uns dabei allerdings Themen wie Geschlechterrollen, Antisemitismus und Chauvinismus widmen, Themen, die in Male- und Mainstream Gazetten zumeist unbesprochen bleiben.

Nicola Staritz schreibt über die WM, die eine WM der Männer ist, ohne dass dies allerdings thematisiert werden würde. Frauen sind allenfalls als ZuseherInnen interessant, oder bilden lustige Motive für Kameramänner. Aber nicht nur Frauen haben im Fußball keinen Platz. Auch Homosexualität ist ein Nicht-Thema im Fußball – obwohl ein Tor eine der ganz wenigen Gelegenheiten ist, wo Männer zärtlich zu Geschlechtsgenossen sein dürfen. Alles, was nicht unter dem Deckmäntelchen des Siegestaumels oder der Initiation geschieht, passiert nicht, wie Jaschar Randjbar bemerkt.

Um die überströmende Männlichkeit im Fußball geht es auch im Artikel von Eva Kreisky und Georg Spitaler. Die beiden zeigen den Zusammenhang zwischen der Vergeschlechtlichung eines Sports in Europa und den USA, der hegemonialen Männlichkeit, Nationalismus und Ökonomisierung des Massenphänomens Fußball.

Judith Götz arbeitet in ihrem Artikel die antisemitische Kontinuität im Fußball heraus. Von antisemitischen Ausschreitungen gegen den Sportklub Hakoah und schließlich seiner Auflösung über die „Umstrukturierung“ der Wiener Austria bis hin zu Ausschreitungen gegen Ajax Amsterdam und Fans bzw. Spieler von Lazio Roma steht der Antisemitismus in einer langen Tradition. Im Gegensatz dazu ist St. Pauli einer der wenigen Vereine, die versuchen, das unreflektiert und unausgesprochen Politische am Fußball explizit zu machen und sich so eine antirassistische Fankultur aufzubauen. Dass dies allerdings nicht immer ganz gelingt, zeigt die durchaus affirmative Kritik von Stephan Hofer und Thomas Rammerstorfer. Die Realität des Fußballs außerhalb der großen Stadien, abseits von FIFA und Heldenkult, wurde in den Fotos von Stephan Hofer am Platz und in den Vereinsräumen des FC Kirchberg ob der Donau eingefangen.

Außerhalb des Schwerpunktes führte Ljiljana Radonic ein Interview mit Zeev Milo, einem kroatischen Holocaust-Überlebenden und Autor des Buches „Im Satellitenstaat Kroatien. Eine Odyssee des Überlebens 1941-1945“ (2002).

Exklusiv bringt die Context XXI die Niederschrift eines Vortrags von Heribert Schiedel, den er anlässlich des Symposiums „Feindaufklärung und Reeducation. Über die Notwendigkeit Kritischer Theorie heute“ gehalten hat. Im Anschluss kam es zu einem folgenreichen Zerwürfnis, das nur mehr wenig mit der im Vortrag behandelten psychoanalytischen Reflexion des Antisemitismus zu tun hat.

Anders als unser Cover nahe legt stieg Deutschland nicht schon in der Vorrunde aus – der nationale Rausch geht also weiter. Freuen wir uns in diesem Sinne auf ein Hoch der nationalen Gefühle bei der EM 2008 in der Schweiz und Österreich!

Kathi Renner

Liebe Leserin, lieber Leser!


Jaschar Randjbar

Ist Fußball unislamisch?


Lilo König

Fans, überwacht


Jaschar Randjbar

Footballs

Männlichkeit und Homophobie im Mannschaftssport

Judith Goetz

„Haut’s die Juden eini’!“

Zum Verhältnis von Antisemitismus und Fußball in Österreich

Nikola Staritz

„WE ALL SPEAK football“. But WOMEN don’t.


Stephan Hofer  •  Thomas Rammerstorfer

Linke auf St. Pauli


Ljiljana Radonić

Kroatien im Zweiten Weltkrieg und heute


Eva Kreisky  •  Georg Spitaler

Wissenschaft, Fußball und Geschlecht

Geschlecht als fußballanalytische Kategorie

Heribert Schiedel

Gegen die Zersetzung durch Intellekt und Trieb

Zum Hass der Antisemiten und Antisemitinnen auf die Nicht-Identischen

Markus Pinter

„Affenlaute“ & Hitlergrüße

Rassimus im Fußball

Thomas Rammerstorfer

Experimentierfeld der Gewalt


Karina Korecky

Das Leben lebt nicht


Thomas Rammerstorfer

Wenn Deutschland Amerika den Frieden erklärt