Ökologische Linke (ökoli) Wien

Auseinandersetzungen zwischen AntifaschistInnen und RFS auf der Universität Wien

Die Auseinandersetzungen zwischen AntifaschistInnen und FPÖ-nahen schlagenden Burschenschaften auf der Universität Wien nehmen wieder zu, seit der Ring Freiheitlicher Studenten (RFS), die von deutschnationalen Burschenschaften kontrollierte ÖH-Fraktion der FPÖ, mit provokativen Veranstaltungen versucht jenes Terrain wieder zu gewinnen, das er bei ÖH-Wahlen regelmäßig verliert.

Am Dienstag den 17. Juni erreichten diese Auseinandersetzungen einen vorläufigen Höhepunkt, als antifaschistische StudentInnen versuchten die Zugänge zu einem vom RFS für eine Veranstaltung gemieteten Hörsaal mit zwei Menschenketten abzusperren. Während ein Teil der Burschenschaften die zur Veranstaltung „50 Jahre Volksaufstand in der DDR, Verfolgungen im kommunistischen Mitteldeutschland [sic!], Parallelen zu heute“ auf der u.a. der ehemalige Redakteur der Jungen Freiheit Ekkehard Schultz sprechen sollte, wieder unverrichteter Dinge abzogen, entschlossen sich andere zu tätlichen Angriffen auf die Ketten der AntifaschistInnen. Durch prügelnde, würgende, auf die Ketten einrennende und eintretende Burschenschafter wurden mehrere AntifaschistInnen verletzt. Eine Antifaschistin wurde von einem Burschenschafter begrapscht und zusätzlich verbal sexuell belästigt. Insgesamt kam es zu vier Anzeigen wegen Körperverletzung gegen Burschenschafter, die gleich bei der vom RFS geholten! Polizei deponiert wurden.

Unter den Prügelnden, die sich gewaltsam Zutritt zum Hörsaal im Neuen Institutsgebäude (NIG) verschafften befand sich auch Friedrich Stefan, Unirat und Mitglied der Burschenschaft Olympia, aus deren Reihen in den Sechzigerjahren der erste politische Mord an dem antifaschistischen KZ-Häftlich Ernst Kirchweger begangen worden war. Eines der prominentesten Mitglieder der Burschenschaft Olympia war der mittlerweile verstorbene Gründer des Rings Freiheitlicher Studenten (RFS), langjährige Vorsitzende der in Österreich verbotenen Nationaldemokratischen Partei (NDP) und Südtirol-Terrorist Norbert Burger. Stefan ist Vorsitzender der „Altherren“ und im Dienste seiner Bundesbrüder noch sehr aktiv.

Die Polizei beobachtete lediglich die Szene, griff aber weder auf Seiten des RFS und der Burschenschaften, noch auf Seiten der AntifaschistInnen in die Ereignisse ein. Trotz einzelner gewaltsamer Durchbrüche von Burschenschaftern hielten die Ketten der AntifaschistInnen relativ gut und so konnte der Mehrzahl der VeranstaltungsbesucherInnen der Zugang zum Hörsaal im Neuen Institutsgebäude (NIG) verwehrt werden. Die Veranstaltung des RFS konnte erst mit über 1 Stunde Verspätung und sehr wenigen ZuhörerInnen beginnen, was auf jeden Fall als Teilerfolg zu werten ist. Mit noch mehr und entschlosseneren AntifaschistInnen könnte das nächste Mal eine ähnliche Veranstaltung eventuell sogar völlig verhindert werden.