Ökologische Linke (ökoli) Wien
Clubkultur in Ö

Big Brother Is Watching You In The FLEX

Als das Chelsea, ein Klub der vor seinem Umzug in die trendigen U-Bahnstützen weithin als „links“ verschrien war, und dies durch allerhand subkulturelles Musikangebot bestätigte, vor einiger Zeit Türsteher anstellte, um „arabische Diebesbanden“ vom Lokalbesuch abzuhalten, war dies sogar dem Bank-Austria-Stadtblatt Falter einen verwunderten Artikel wert. Doch die Aufregung legte sich schnell. Der mittels Türsteher institutionalisierte Rassismus wurde von den Gästen begrüßt, die nun gut geschützt vor „arabischen Diebesbanden“ wie gewohnt ihren Alkohol im Stammbeisl einnehmen.

Ein anderer, ehemals von einem linken Kollektiv betriebener Club, das Flex, ist da schon einige Schritte weiter. Die Kronenzeitung des Wiener Nachtlebens hat die Türsteher schon vor Jahren eingeführt, und kurz darauf auch gleich eine umfassende Videoüberwachung des öffentlichen Raumes vor dem Lokal umgesetzt. Die Erklärung klang damals ähnlich dem Chelsea: Von bewaffneten, ausländischen Drogendealerbanden, die das Flexpersonal attackierten, war da die Rede, im Einklang mit den Freiheitlichen. Die Kameras wären also nur zum Schutz der Gäste und des Personals, Aufnahmen würden angeblich täglich gelöscht, und es gäbe keine Weitergabe an die Polizei. Dass das Flex die Staatsmacht gar nicht braucht um seine Interessen durchzusetzen, beweist es mit seinem neuen Programmheft: Dort ist unter dem an Kopfgeldjäger und Lynchmorde erinnernden Titel „Wanted“ ein Foto eines mutmaßlichen Diebes abgebildet, das aus den hauseigenen Überwachungsapparaturen stammt. Das Flex präsentiert sich damit als Tabubrecher Richtung demokratischen Faschismus: Die Aufhebung der Unschuldsvermutung, die soziale Stigmatisierung, die hier von Privatunternehmen als Druckmittel verwendet wird, die Aushebelung rechtsstaatlicher Prinzipien und der öffentliche Aufruf zum Denunziantentum lassen für die Zukunft nix gutes erwarten.

Die „Krone“ veröffentlicht ja seit einiger Zeit schon dubiose Denunziationsapelle; wenn jetzt jeder Wirt seine Zechprellerinnen zur Fahndung auf die Speisekarte druckt, jede Supermarktkette ihre Werbezettel mit den Fotos erwischter Ladendiebe garniert, und die ganze Stadt am Weg zur 3. Republik mit Überwachungskameras und Privatbullen zugeschissen ist, dann kann der Alternativklub Flex mit Fug und Recht behaupten: „Wir waren dabei!“ Und zwar von Anfang an.

Keine Aussagen gegenüber Bullen und FlexbetreiberInnen! Keinen Cent für die Bürgerwehr-Location! Denn Freiheit stirbt mit Sicherheit im Flex.